SCHMERZTHERAPIEZENTRUM
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SAKRALGIE
(schmerzhaftes Kreuzbein)


Der Begriff

Der Wortteil "sakr" leitet sich von Os sacrum ab, dem lateinischen Begriff für das Kreuzbein und "algie" steht für schmerzhaft. Demnach bedeutet Sakralgie einfach schmerzhaftes Kreuzbein.

Kurz zu Anatomie (= Lehre vom Körperaufbau)

Das Kreuzbein befindet sich zwischen Len denwirbeln und Ste ißbein. Rs ist in Form eines (groben) Dre iecks schaufelförmig angelegt und ist aus der Fus ion (= Verschmelzung) von 5 Wirbel n entstanden und durch eine Zwischen wirbelscheibe mit dem letzten Len den- und dem 1. Steiß beinwirbel verbunden.

Eine Sakralgie wird überwiegen d traumatisch (= verletzungsbedingt) verursach t, hauptsächlich in Form von Prellungen, ein Kreuzbein bruch ist eher selten. Nach einer Prell ung sind länger anhaltende Schmerzen i.d.R. Fol ge einer unspezifischen Kreuz beinentzündung, hpts. in Form einer Knochen hautentzündung.

Weitere Ursac hen für ein schmerzhaftes Kreuzbein, die aber eher selten sind:

·         Sakralisation - Darunter versteht man eine kom plette oder inkomplette (= unvollstän dige) (asymmetrische) mit For mangleichung verknüpfte Verschmelzung des 5. Lendenwirbel körpers mit dem Kreuzbein. Bei der unteren Sakral isation kommt es zu eine Versch melzung mit dem 1. Ste ißbeinwirbel, was zusätzlich zu Steißbeinschmerzen führen kan n.

·         Erkrankung der Iliosakralgelenke (= durch starke Bänder gewähr leistete gelenkähnliche Verbindung zwischen dem Kreuzbe in und den Becken knochen). Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, ver bunden mit Drehung, über Schmerzen im lum bosakralen Übergangsbereich (= unterer Lenden wirbelsäule n- und oberer Kreuzbeinbereich), aber auch typ ischerweise über Schmerzen im Bereich der Sp ina iliaca posterior superior (= hin terer oberer Darmbeinstachel) mit un spezifischen Ausstrahlungen in die Bei ne (Gesäß, hinterer und seitlicher Oberschen kel bis zur Wade und evtl. Ferse).
Neurologische Ausfäl
le (= Nervenstörungen) bes tehen nicht. Häufiger kommen diese Patien ten mit der (falschen) Diagnose „Isch iolumbalgie“.

·         Infolge Kompression (= Ein engung) der sog. Nerven clun ium recurrentes in den Kreuzbein löchern (Wurzelkompression).

·         Bei retroperitonealer (= hin ter dem Bauchfell gelegener) Me tastasierung eines Hod entumors.

·         Bei einer Tuberku lose ist häufiger auch das ftgelenk mit einbezogen, man spricht dann vo n einer Sakrokoxalgie.

Wie oben schon angedeu tet, kann eine Sakralgie auf eine En tzündung zurückzuführen sein. Unter einer En tzündung versteht man die vom Bindegewebe und den Bl utgefäßen getragene Reaktion des Organ ismus auf einen äußeren oder inner lich ausgelösten Entzündungsreiz mi t dem Zweck, diesen zu beseitigen oder zu in aktivieren und die reizbedingte Gewebsschädigung zu repariere n (n. Roche-Lex ikon).

Generell kann eine En tzündung ja viele Ursachen haben. Physikal ische Faktoren (ion isierende Strahlen, UV-Licht, Wär me, Kälte) oder chem ische Stoffe (Laugen, Säuren, Schwermetal le, bakterielle Toxine, Al lergene und Immunkomplexe) scheiden aber als U rsache für eine Entzündung im Os sac rum i.d.R. aus. Praktisch kom men nur zwei Möglichkeiten in Frag e:

  1. mechan ische Reize (Fremdkörper, Druck, Ver letzung)
  2. Erreger (Mik roorganismen, z.B. Bak terien)

Zu einer bakteriellen En tzündung kann es nach offenen Verlet zungen kommen, aber auch iatrogen (= durch ärz tliche Einwirkung im Rahmen von Diagnos tik oder Therapie entstanden), selten h ämatogen (= über das Blut, die Blut bahn eingeschleppt). In aller Regel ist bei einer En tzündung des Os sacrum die Knochen haut betroffen (Periostitis), nicht selten in Kom bination mit dem Knochengewebe (Os titis).

Therapie einer Sakralgie

Nachstehend beschr iebene, invasive (= in den Körper eindringende) Behan dlungsmethoden der speziellen Schmerz therapie setzen eine sehr gründliche fachärzt liche Ausbildung voraus, wes halb sie nur in wenigen therapeutischen Einrich tungen angeboten werden können. Ins besondere sind die kontinuierlichen Bloc kaden mittels eingepflanztem Kathet er in Deutschland nur in ganz wen igen Schmerzkliniken durchführbar, so z.B. in Bad Mergentheim.

Bei einer anhal tenden Sakralgie hat sich die therapeu tische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem ör tlichen Betäubungsmittel) sehr bewährt.

1.      Die sak ralen (= dem Kreuzbein entstammenden) Nerven wurzeln sind einzeln in den paarig angeordneten 8 Foram ina sacralia (= kleine Öffnungen im Kreuz bein) blockierbar. Wiederhol t werden jeweils 1-2 ml Bupivacain (z.B. Carbos tesin®) 0,25% eingespritzt.
In aller Regel reicht es aber nich
t aus, diese Behandlung, wie leider so oft übl ich, nur 1-2 mal pro Woche durchzuführen, da sel bst die lang wirkenden Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsm ittel) nur ein paar Stunden anhalten. Wir führen eine solche Behand lung konsequent 2 bis 3 mal täglich, auch am Wochenen de durch, was aber nur stationär oder zum indest teilstationär möglich ist.

2.      Als nächst höhere Therapiestufe können bei einer Sakralgie engmaschig wiederhol te Kaudalblockaden (Sakral blockaden) durchgeführt werden. Dabei handel t es sich um eine sog. rückenmarknahe Bet äubung, die über einen kleinen Spal t im Kreuz bein (Sakralkanal) durchgeführt wird.
In hartnäckigen Fällen kann d
iese Betäubung auch kontinuierlich m it einem eingepflanzten Ku nststoffschlauch (Katheter*) erfolgen, sofern d ieser wegen der der Gefahr einer Infekt ion (Nähe zum End darm!) seitlich unter der Haut m ittels einer Untertunnelung weggefü hrt wird. Statt mit einem örtlichen Bet äubungsmittel kann die rückenmarknahe Blockade / Betäu bung auch mit einer verdünnten Morph in-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die of t zu beobachtende, über die Behand lungszeit hinaus anhaltende Wirkung deu tlich weniger ausgeprägt.

3.      Schließlich, in ganz har tnäckigen und sehr schmerzhaften Fäll en, wird man sich zu einer kontinuierlichen, lum balen (= den Lendenbereich betreffen den) epiduralen Blockade mit Kat heter* entschließen. Diese Methode hat gegenü ber der oben beschriebenen, kont inuierlichen kaudalen Blockade den Vorteil, daß der eingepflan zte Katheter länger im Körper belassen wer den kann, da das Risiko einer Infekt ion (= Eindringen von Mikroorganismen wie z.B. Bak terien) hier geringer ist.

Dass die schmerzlindernde Wir kung i.d.R. über die eigentliche Behand lungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzu führen, daß bei diesen Blockade behandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind (Sympath ikolyse), woraus im behandelten Kör perbereich eine sehr deutliche Durch blutungssteigerung resultiert. Dies ist der G rund, warum diese Behandlungsmet hode besonders bei Schmerzen, die du rch entzündliche oder auch degen erative (= abnutzungsbedingte) Prozesse en tstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Sch merzen im Rahmen einer Ner venerkrankung, da eine verbesserte Durch blutung auch den Nerven zellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Er kenntnissen vermag eine solche  intensive Blockadebehand lung auch das sog. Schmerzgedächt nis zu löschen.

·         Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubun gsmittel) auch en tzündungshemmend wirken, ist zw ischenzeitlich wissenschaftlich erw iesen. Wenn Sie mehr dar über erfahren wollen, so klic ken Sie hier.

Bei einer bakteriellen Kreuzbe inentzündung ist es sehr vorteilhaft, das zuvor ausgetes tete Antibiot ikum parallel zur Behandlung mit dem örtl ichen Betäubungsmittel zu verabreichen, weil dann der Wir kstoff aufgrund der besseren Durch blutung die Bakterien auch in ausreichender Kon zentration erreicht.

Begleitende Therapiemaßnahmen bei einer Sakralgie:
In manchen Fällen ist die Magne
tfeldtherapie hilfreich. Teilweise bringt auch eine Aku punktur zufriedenstellende Resul tate. Auch eine sog. Hoch tontherapie kann sehr hilfreich sein.

Beim einer chronischen Sakralgie sind h ypnoide (= bewußtseinsverändernde) Ver fahren wie autogenes Tr aining oder progressive Rel axation nach Jakobson eine sinnvolle Ergänzun g der Gesamtstrategie. Bestehen Sch merzen im Os sac rum längerfristig, so ist im Rah men einer psychologischen Begleit behandlung auch ein Schmerzbewältigungstrain ing sinnvoll.

* Bei d er so g. kontinu ierlichen Blockade mit Kathe ter wird vorü bergehend (z.B. 10-14 Tage lang) ein dünner Ku nststoffschlauch dicht an Nervengef lechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanz t. Die Ein pflanzung erfolg t durch eine h andelsübliche Kan üle hindurch, es mu ß also nicht "aufgesch nitten" werden. I n der Fol ge w ird ü ber diesen Kat heter mehr mals täg lich, je weils nac h Abkl ingen der vorangegangenen Dos is, das Lokalanästhetikum (= ört liche Betäubungsmittel) völlig schmerz los nachgespritzt.

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